

07.05.2025
Moderne Preisstrategien machen den Unterschied
Ob dynamische Preismodelle oder personalisierte Rabatte – unsere Experten zeigen, wie die richtige Preisgestaltung heutzutage den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen kann. Zusätzlich dazu blickt Prof. Florian Riedmüller zusammen mit uns auf die Ergebnisse des 27. Fanartikel-Barometer der Fußball-Bundesliga.
Best it
Nachvollziehbares Pricing schützt vor Markenverwässerung
Pricing ist im E-Commerce nicht nur eine Frage der Marge, sondern ein zentrales Conversion-Tool. Gute Shops schaffen es, Preise nicht einfach nur zu zeigen, sondern sie zu inszenieren. Preisanker – also die gezielte Gegenüberstellung von vorher/nachher, Set vs. Einzelkauf oder UVP vs. Angebot – geben dem Nutzer Orientierung und schaffen ein Gefühl für den Wert. Das wirkt oft stärker als ein absolut niedriger Preis.
Dynamische Preise oder individuelle Rabatte können dabei in manchen Fällen sinnvoll sein – etwa bei stark wechselnden Warenkörben oder saisonalem Sortiment. Wichtig ist dabei: Preisgestaltung muss nachvollziehbar und glaubwürdig bleiben. Sobald Kunden das Gefühl haben, sie zahlen „zufällig“ mehr als andere, verliert man Vertrauen – und das kostet deutlich mehr als ein Rabatt.

Darüber hinaus sind Spezialangebote kein Selbstzweck – sie müssen zur Marke passen und echten Mehrwert liefern. Das kann ein limitierter Rabatt sein, ein Gratisartikel ab einem bestimmten Warenwert oder ein attraktives Bundle-Angebot. Wichtig ist, dass solche Aktionen klar kommuniziert werden – am besten genau dort, wo sie wirken: im Produktkontext, im Warenkorb oder direkt im Add-to-Cart-Layer.
Was allgemein gut funktioniert: Schwellenwerte für kostenlosen Versand mit ergänzenden Empfehlungen („Dir fehlen nur noch 12 € – wie wäre es mit…“), Cross-Selling mit Zeitdruck oder gezieltes Re-Engagement per E-Mail nach Warenkorbabbruch. Aber auch hier gilt: Weniger ist oft mehr. Dauerhafte Rabattschlachten führen langfristig zur Markenverwässerung.
Auch Abos funktionieren dann gut, wenn sie echten Nutzen bringen – sei es durch Komfort, Preisvorteil oder exklusive Inhalte. Die Herausforderung liegt nicht in der Technik, sondern im Nutzererlebnis: flexible Anpassung, einfache Verwaltung, transparente Kommunikation. Kunden wollen sich nicht binden, sondern entscheiden – genau das muss ein gutes Subscriptionsmodell ermöglichen. Was zudem häufig unterschätzt wird: Der Einstieg ins Abo muss genauso überzeugend sein wie das eigentliche Produkt. Wenn der Checkout umständlich ist oder die Vorteile nicht auf den Punkt kommen, springt der Nutzer ab. Gute Abo-Modelle leben von Vertrauen, klarer Struktur – und einem echten Grund, warum man regelmäßig kaufen sollte.
Alexander Schneiderbanger, Senior E-Commerce Consultant, best it
shopware
Preispsychologie erhöht die Margen
Beim Pricing im E-Commerce spielen psychologische Faktoren eine zentrale Rolle. Preisanker, wie Streichpreise neben dem originalen Angebotspreis erhöhen die wahrgenommene Attraktivität eines Angebots deutlich. Ebenso gewinnen dynamische Preismodelle an Bedeutung – sie ermöglichen es, Preise flexibel an Nachfrage, Lagerbestand oder Wettbewerberpreise anzupassen und somit Margen zu optimieren.
Wir ermöglichen es unseren Händlern durch diverse Funktionen regelmäßig auf Spezialangebote zu setzen, z. B. zeitlich limitierte Rabatte, Mengenrabatte oder Bundle-Deals. Erfolgreich sind auch Aktionen wie "Kaufe 2, erhalte 1 gratis" oder personalisierte Gutscheine für Bestandskunden – sie steigern nicht nur den Umsatz, sondern auch die Kundenbindung.
Subscriptionmodelle bieten dabei stabile Einnahmen und engere Kundenbindung, erfordern aber transparente Kommunikation und flexible Kündigungsoptionen. Wichtig ist, dem Kunden echten Mehrwert zu bieten – z. B. durch exklusive Inhalte, günstigere Preise oder automatisierte Nachbestellungen. Nur wenn das Abo-Modell als bequem und vorteilhaft empfunden wird, bleibt der Kunde langfristig dabei.
Stefan Zessel, VP Sales Europe, shopware

Young Boys
Die Fans genau kennen
Im eCommerce zählt nicht nur der richtige Preis – sondern vor allem, wie man ihn setzt. Wir arbeiten bewusst mit einer fixen Preisstruktur, die sich an klar definierten Preisschwellen orientiert. Dynamische Preismodelle nutzen wir nicht, weil wir den Wert unserer Produkte und das Preisempfinden unserer Fans kennen. Auch in Zeiten steigender Kosten versuchen wir, unsere Preise konstant zu halten.
Gleichzeitig setzen wir gezielt auf Aktionen: Mit dem "Angebot des Monats" setzen wir gezielt saisonale oder thematische Impulse, genauso wie spezielle Bundles oder zeitlich begrenzten Sales. Wichtig ist uns dabei: Aktionen müssen durchdacht sein und zur Marke passen – denn nur so bleiben sie glaubwürdig und wirkungsvoll.
Jan Borgmann, Head of Merchandising & Licensing, BSC Young Boys

Florian Riedmüller
Der Fanartikel Barometer liefert wichtige Insights
Im digitalen Fanartikelvertrieb ist strategisches Pricing entscheidend. Preisanker, wie UVP-Vergleiche oder durchgestrichene Altpreise, erhöhen die Kaufbereitschaft – insbesondere im umsatzstarken Vorweihnachtsgeschäft, das über 60 % der Saisonumsätze ausmacht. Dynamische Preismodelle, etwa bei stark nachgefragten Artikeln oder zur Lagerbereinigung, gewinnen an Bedeutung und ermöglichen eine präzisere Steuerung von Angebot und Nachfrage.
Spezialangebote sind zentrale Wachstumstreiber im Direktvertrieb über Clubshops und Online-Stores, wo rund 75 % der Trikotverkäufe erfolgen. Beliebt sind exklusive Rabattaktionen für Mitglieder, zeitlich limitierte Bundles sowie Sondertrikots, die Clubs einmal pro Saison als limitierte Editionen veröffentlichen. Diese Trikots – oft zu besonderen Anlässen wie Jubiläen oder Gedenkspielen – erzeugen hohe emotionale Resonanz und Verknappungseffekte, die den Absatz deutlich steigern.

Mehr Insights gibt’s im Fanartikel Barometer
Prof. Dr. Florian Riedmüller, Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm
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20.03.2025